Das ist der Mirador vom Schiff aus gesehen. Manrique ließ dazu den Berg ausheben, Café rein und Deckel drauf. Viele Fenster und tolle Inneninrichtung. Wenn jemand damals futuristisch dachte, dann er. Seine Sachen sind für mein Empfinden bis heute gut. Zeitlos.
Von La Graciosa ist der Mirador nur zu entdecken, wenn die Sonne in den Fenstern reflektiert. Jemand der die Landschaft verändert ohne sie zu zerstören, hat meine Bewunderung. Der Gärten in Lavablasen baut und selbst eine Küche auf Lavahitze aus dem Erdreich errichtet (später mehr), der hat es verstanden zu Erschaffen ohne erst alles platt zu walzen. Design und Funktionalität in einem, ohne seiner Umwelt auf den Nerv zu gehen. Würde er heute noch leben, Manrique wäre der Loungemeister!
graciosa
Mirador
La Graciosa – Wüstenpiste
Dort wo die Errosionsfurchen enden, geht eine staubige Piste im unteren Viertel des Berges entlang. Mit dem Offroader oder dem MTB kommt man da gut voran.
Viel trinken ist angesagt, auch wenn man es nicht merkt. Sonnenschutz und breitkrempiger Hut ist Pflicht. Man ist immerhin auf der Höhe von Marokko. Es gibt nur einen Ort auf der Insel, also ordentlich Wasser einpacken. Die Kurven sind tückisch und der Schotter ist scharfkantig. Halbe Luft auf den Reifen ist wegen stellenwiese tiefem Sand zu empfehlen. Mein kleiner Sturz verlief glimpflich, da ich in einer Sandwehe rutschte. Selbst Schuld wenn ich einhändig fahre und dabei Videos filme.
Die Fahrt war ein schönes kleines, menschenleeres Abenteuer das uns zu dem schönsten Strand brachte den ich je sah. Eigentlich besteht er nur aus Muscheltrümmer von dem auch sein Name stammt.
Immer mal wieder anhalten, die kalten Lavaströme bestaunen, eine Runde im Meer und die Kraft der rankommenden Flut immer wieder bestaunen. Wie sie die Landschaft verändert und gegen die Felsen schlägt wie bekloppt. Könnte ich Tage mit verbringen.
La Graciosa
Was an dieser Insel im Norden Lanzarotes so “Graciosa” ist ist mir unklar, aber für Seefahrer war es vielleicht das erste Stück Land nach einer langen Atlantiküberquerung. Lanzarote und besonders Graciosa waren Piratenverstecke und so sieht es da auch aus. Wie aus alten Seefahrerfilme. Etwas schäbig aber doch fein und aufgeräumt. Kein Müll nur eben wie in einem Italowestern auf arabisch aber dann doch ohne dem muslimen Beiwerk. Cesar Manriques Idee nicht höher als 3 Stockwerke zu bauen ist ja schon ein tolles Werk, aber Graciosa übertrumpft alles an Originalität. Ich dachte nicht so etwas noch in Europa zu finden. Man kann alle paar Stunden mit einem Schiffchen pendeln. Die Wellen schlagen weit übers Oberdeck und man ist klatschnass und einen guten Magen braucht man in dieser halben Stunde auf dem Atlantik.
Drüben angekommen, bemerkt man, das sman irgendwie viel südlicher ist als einem das bei all dem spanisch suggeriert wird. Kein Straßen. Nur fester Sand. Feiner weiße Sand. Es gibt 5 Land Rover. Ein-Zwei Mountainbike Verleiher und Kneipen, Restaurants ein paar Unterkünfte. Weiter westlich liegt eine Art Campingplatz, aber reden wir nicht davon. Unser Zelt blieb auf dem Festland und wir nächtigten bei einer alten Madame in einem kleinen, einfachen Zimmer. Jedenfalls die Straßenszenen erinnerten mich an Marokko und manchmal wie ganz wo anders tief in Afrika.
In einer Kneipe mit einheimischen Dominospieler fanden wir auch gleich eine Portion frischen Fisch. “Tropical” Bier klingt komisch schmeckt aber besser als “San Miguel” da waren wir uns mitden Einheimischen schnell einig.
Die Szenerei genießen und gegenüber aufs Festland auf den Mirador del Rio starren der vor der Insel steht wie eine senkrechte Wand, die Sonne im Rücken und das Gefühl von Sonnenbrand im Genick und Salz auf den spröden Lippen machten das Abenteuer perfekt.
Diese abgefahrene Seefahrerkirche war leider doch nicht offen. Der Altar ist eine Steuerrad, das Weihwasserbecken eine Fischreuse und ähnlich schräges Zeug. Eben eine Kirche mit Wellblechdach auf einer verlassenen Fischerinsel.






