ludwigshafen
Schweinefüße im Museum
Ich erzählte ja, dass ich jetzt wieder in Ludwigshafen lebe. Das alte “Büro für angewandten Realismus” gibt es nach wie vor und die alten Kämpfer (sichtlich gealtert) sind immer noch am machen. Die Kunstweltmeisterschaft wird im August kommen, Radrundfahrten gegen Nazistraßen etc etc.
Vor einem Jahr suchte ich nach einem legendären Film, der damals 1986 vom Büro gedreht wurde. Dieser Aktion gingen viele Jahre Kampf gegen die Stadt ins Land. Nach dieser Aktion wurde die Aufmerksamkeit scheinbar für die Stadt unerträglich und musste dann doch ein Jugendzentrum bereit stellen. Der Film ist seit 14 Tagen im Netz und ich will ihn mal zeigen, was man durch seltsame Aktionen erreichen kann.
Die Aktivisten legten mit Schweinefüße im Erdgeschoß des heiligen Hack Museums “Fleisch ist Leben”, handgreiflich gestört von einem engagierten Museumsmann der sich titulierte mit “Ich bin der Sohn des Hausmeisters”.
Die Kunstweltmeisterschaft findet im August statt, wer teilnehmen will, kann sich bei mir melden. Das Büro leidet an weiblichen Vertretern und ist etwas überaltert. Also. gebt euch einen Ruck. Ausgetragen wird das im (Ironie der geschichte) Hack Museum Ludwigshafen.
Mein Moment
Abends nach der Arbeit durch die “neue” Stadt rennen und dabei 1000 kleine Dinge beobachten. Die Leute die im Biergarten beim “Saposa” sitzen, vorbei am alten stillgelegten Stellwerk indem soviel tolle Ideen schlummern. Der junge Angler, der drei Angeln im Hafenbecken stehen hat, auf dem Campingstuhl in der Abendsonne, direkt bei dieser alten Drehbrücke. Dann über die Parkinsel, die Teenager Hockeymannschaft ist beim Trainieren und ich erinnere mich an die Zeit als ich dort in der Abwehr stand. Manchmal Torwart. Die schwere Bambusrüstung, der Geruch nach vollgeschwitztem Leder. Das “Peng” bei der kurzen Ecke. Regen und schwerer Boden ab der 30. Minute war mein Ding. Da wurde ich immer erst warm. Fritz Walther Wetter quasi. Hartplatz war damals Standard. In der allseits beliebten Hallensaison war ich furchtbar.
Die Sonne geht bald unter, ein paar Leute aus diesem Hochhaus mit schlechtem Ruf sind am Kiesstrand und planschen mit ihren Kinder am Rheinstrand. Die haben Spaß. Südlich der BASF geht das ganz gut. Ich habe es viele Jahre selbst erlebt. Meine Kindheit ist geprägt von diesem Fluß und somit auch mein Leben. Die Schiffe tuckern, geworfene Ankerketten und das dröhnende “DONG” wenn die Greiferschaufel im Leichter an die Bordwand donnert und der Schiffsführer einen Tobsuchtsanfall bekommt. Erinnerungen an die Lehre, die Tage auf demRhein umgeben von Millionen bunter Kabel und guten Leuten. Von der Abkühlung zur Mittagspause im Rhein und sprun vom Deck einer kleinen Segeljacht ins Wasser. Taube Finger im Winter, beim Versuch das Werkzeug aus der festgefrorenen Werkzeugkiste zu bekommen. Irgendwo im Nirgendwo zwischen den halb zugfrorenen Altrheinarmen auf riesige Tiefgreifer und Schubverbänden. Dicke Schwimmweste mit Brausetablette*.
Nach sechs Wochen Laufpause durch den Umzug schmerzen die Beine ein wenig, aber die Kondition ist ok. War ja auch körperlich keine Erholung der Umzug.
Was steht da unter den Bäumen? Riesige Zelte mitten unter den uraltenPlatanen am Rheinufer? Das Filmfestival von dem ich im letzten Jahr hörte. Das werde ich mir diesmal wohl irgendwie anschauen.
Rückweg an diesen vielen Würfelhäuser, die ein südländisches Flair verbreiten mit großen Fenster und Holzveranden. Neue Platanen und blühende Büsche. Das wird mal eine noble Gegend. Zu nobel, wie ich denke.
Vorbei am Polizeirevier und Richtung meiner neuen Bleibe, die mit ihren über hundert Jahren als Kulturdenkmal überlebte und jetzt sicher viele Jahre mein Heim bleiben wird. Die Stadt geht in allen Ecken in die Startlöcher, ich hoffe das es was wird. Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Ludwigshafen, ich geb Dir eine zweite Chance!
Aber jetzt zählt der Moment, was morgen ist, ist erst morgen wirklich wichtig. Für mich und meine Familie muss es passen und das tut es gerade sehr. Ich für meinen Teil merke wie ein paarKilometer abhecheln und die Vollgasfahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit einem einfach wieder die Energie und den Spaß in die Knochen treibt. Kopfschmerzen, Gliederschmerzen..alles vorbei. Und wenn es nur für den Moment ist.

